Geschichte

Die Geschichte der Pfarre und Kirche Münichreith am Ostrong

Besiedelungsgeschichte & Christentum

Das Waldviertel unterscheidet sich nicht nur geographisch von den Nachbargebieten im Süden und Osten, sondern in besonderer Weise durch den sehr unterschiedlichen Verlauf seiner Besiedelungsgeschichte. Während das Alpenvorland und das Weinviertel durch seine großen waldfreien Flächen schon für eine frühe Besiedelung begünstigt waren, erlebte die Wachau bereits ihre erste wirtschaftliche Blüte. Hier wuchs schon Wein auf den Terrassen. Wesentlich anders verlief diese Entwicklung im Waldviertel. Dichte, urwaldähnliche Wälder hielten die Menschen Jahrhunderte ab, dieses Gebiet zu durchqueren, zu roden oder gar zu besiedeln.

Wenngleich verschiedene Völker, wie die Quaden, Markomannen, Kelten, Rugier und Langobarden und andere germanische Völkerschaften immer wieder versuchten, in diesen Wald vorzudringen, blieb es aber bei diesen kargen Versuchen. Es kann keineswegs von einer dichteren Besiedelung ausgegangen werden. Die Vielzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen brachten in den wenigen, nur vereinzelt entstandenen,  kleinen Siedlungen immer wieder Verwüstungen und Zerstörungen. Diese Rückschläge hinderten weiterhin die Besiedelung des Nordwaldes.

Hingegen war das Gebiet am südlichen Donauufer schon sehr früh – um Christi Geburt in das römische Reich eingegliedert worden. Mit dem römischen Reich entwickelte sich auch das Christentum sehr früh. Durch die vielen Feldzüge und Kriege, meist mit Völkern aus dem Osten gab es aber immer wieder Kämpfe zwischen dem Heidentum und dem Christentum, die sich über Jahrhunderte erstreckten.

Dennoch entstanden entlang der Donau schon früh erste Siedlungen. Sie waren der Ausgangspunkt für die spätere Besiedelung. Als älteste Siedlung in unserer Umgebung ist Persenbeug bereits im Jahr 863 urkundlich genannt worden. Ostarrichi wurde 996 gegründet – und die Herrschaft Nochilinga wurde 998 urkundlich erwähnt. Es ist interessant, dass in dieser Herrschaft schon zwei Kirchen urkundlich genannt wurden, nämlich St. Oswald und Nöchling.

Erst die Niederwerfung der Ungarn durch Kaiser Otto I. des Großen auf dem Lechfeld im Jahr 955 brachte die Voraussetzung für eine bleibende, intensivere Besiedelung und Kultivierung des Waldviertels. Der Kaiser als Besitzer ließ Siedlungen errichten und unterstützte kräftigst die Christianisierung. Er verschenkte große Teile der Mark, damals „Ostmark“ genannt, an die bayrischen Klöster Freising, Passau und Regensburg. Es war die Aufgabe der reich beschenkten Klöster, diesen neuen Besitz durch Kolonisation nutzbar zu machen. Die überwiegende Hauptarbeit beim Siedlungsausbau leisteten die den Grundherren untertänigen Bauern. Sie errichteten Blockhäuser und begannen unter Anleitung der Mönche den Wald zu roden und den Boden zu bebauen. Immer mehr Menschen kamen ins Land und wurden sesshaft. Dadurch war es nötig, immer größere Flächen für Ackerbau und Viehzucht usw. zu schaffen.  Gleichzeitig bemühten sich die Klöster und auch die weltlichen Grundherren um die weitere, intensivere  Wiederchristianisierung.

Auch von Salzburg aus, das durch den Hl. Rupert zu einem Zentrum des Christentums geworden war, wurde christliches Glaubensgut gegen Osten vorgetragen.

So soll auch der Hl. Wolfgang, Bischof von Regensburg, nach Besiegung der Magyaren als Glaubensbote in unsere Gegend gekommen sein. Der Bischofstein bei Münichreith weist noch heute darauf hin. Im Jahr 994 ist der Hl. Wolfgang gestorben.

Das Bistum Passau, bekam die kirchliche Aufsicht übertragen und war somit für ein sehr großes Gebiet, nämlich das gesamte Waldviertel verantwortlich.

Im Zuge dieses hochmittelalterlichen Landesausbaues überschritten die bereits südlich der Donau ansässigen Grafen von Peilstein-Tenglingen den Strom – und begannen das sogenannte Waldland am nördlichen Ufer zu erschließen. Dieses Waldland war ursprünglich ein Fiskalgut, dh., Land, das eine besondere Bindung an den Landesherrn hatte. Die Grafen versuchten, in diesem gerodeten Land eine reichsfreie Grafschaft aufzubauen.

Die Ur- und Mutterpfarre Weiten

Um das Jahr 1050 wurde im neu erschlossenen Land die ausgedehnte Mutterpfarrei Weiten gegründet, die sich mit den Mutterpfarreien St. Michael in der Wachau, Krems und Meisling das Gebiet am nördlichen Donauufer, das Waldviertel, teilte.

Die angesehene Pfarre Weiten hatte einen wichtigen Platz unter den Würden der Diözese Passau errungen. So wird zB. im Jahr 1120 Pfarrer Heinrich von Weiten als Archidiakon (= Generalvikar) von Passau genannt. Ihm war die Aufsicht und Verantwortung über den Klerus und über das gesamte religiöse Geschehen anvertraut. Dies unterstreicht die Bedeutung, die Weiten als kirchlicher und religiöser Zentralort damals hatte.

Der Landausbau hatte zur Folge, dass mit der laufenden Zunahme der Bevölkerung auch immer mehr Pfarren und Kirchen entstanden. Folgende Tochterpfarren von der Mutterpfarre Weiten sind u.a. angeführt: 1140 Martinsberg, 1290 Pöggstall, 1313 Altenmarkt, 1336 Ebersdorf, 1336 Emmersdorf, 1336 Laimbach, usw..

Die enorme Entwicklung des Christentums ist auch dadurch gekennzeichnet, dass Stifte und Klöster errichtet wurden. Ganz besonders ist dabei die Gründung des Stiftes Melk hervorzuheben, welche 1089 durch die Babenberger erfolgte.

Es möge hier auch Erwähnung finden, dass die ersten urkundlichen Erwähnungen der Orte in unserer Umgebung und Pfarre auf die intensive Rodungstätigkeit in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts schließen lassen: Bruck am Ostrong: 1193, Kehrbach: 1120, Gottsberg: 1237, Kollnitz: 1290, Mayerhofen: 1330, Pleissing: 1215, Rappoltenreith: 1144.

 

Gründung der Pfarre und Kirche zu Schwarza (=Münichreith)

Aus der Gründungsgeschichte:

Im Sprengel der Pfarrei Weiten lag das markgräfliche Gut Schwarza, das predium Swarzza, das Markgraf Leopold von Oesterreich im Jahr 1136 im Rahmen eines Tausches an das Augustiner-Chorherrenstift St. Nikola zu Passau gab. Am 6. Mai 1144 oder (1143) bestätigte dann der Passauer Bischof Reginbert dem Stift St. Nikola, dass er mehrere Tauschgeschäfte vorgenommen habe. Eines dieser Geschäfte bestand darin, dass er dem Stift die von ihm selbst geweihte Kirche zu Schwarza (in orientali plaga …ad Swarza) mit samt Widdum, Zehenten, Grenzen und allen Nutzen gegen den St. Nikola zustehenden Schifffahrtszoll zu Passau und einige seiner Gründe zu Eferding vertauschte. Der Urkunde beigefügt ist die Grenzumschreibung des Sprengels dieser neuen Kirche, die der Bischof offenkundig selbst vorgenommen hatte; sie dürfte gleichzeitig mit der vom Bischof vorgenommenen Kirchweihe erfolgt sein. 

„ Am Steinbach herab bis zur Quelle Botenbrunn, und von da gerade aus bis zum Bache Yspira, und am Laufe desselben bis nach Tessen, von da bis Ober-Laimbach, von da bis Unter-Laimbach, und an diesem Wasser abwärts bis Grieslief, dann gerade bis zum Dorfe Enzimanswaichoven, von da gerade aus bis zum Dorfe Bruckk, und von Bruckk bis Marbach, Unter-Rapotenreut und abwärts an diesem Wasser bis zum Dorfe Unter-Erlach ( Erla ) und von da wieder bis an den zuerst genannten Steinbach“.

Mit diesem Rechtsakt wurde „Swarzza!“ aus der Mutterpfarrei Weiten herausgelöst und zur selbständigen Pfarre erhoben. Zu Beginn umfasste der Pfarrsprengel Münichreith auch den Ort Altenmarkt.  Als Eigentümer der Pfarrei und als Bischof konnte Reginbert zugleich über deren Widdum, Zehent, Grenzen und Nutzen verfügen. St. Nikola hatte als Grundherr wahrscheinlich für den Kirchenbau in Münichreith gesorgt und sie dem Bischof zur Erhebung zur Pfarrkirche übergeben.

Dass Münichreith früher die Bezeichnung Schwarza, (genannt nach dem Bach), trug, geht aus einem Schreiben des Bischof Ulrich II. von Passau aus dem Jahre 1220 hervor. In diesem ist neben „Schwarzach, erstmals auch Munichriut“ erwähnt. (….ecclesia in Swarza, que alio nomine Munichriut dictitur…) Dies ist die erste urkundliche Erwähnung für Münichreith. Der Name verweist darauf, dass die Mönche hier unter Anleitung des Stiftes St. Nikola aus christlichem Glauben heraus das Land für die Menschen erschlossen und gerodet haben. Die Seelsorge war von Anfang an eine der Hauptaufgaben der Chorherren von St. Nikola. Papst Honorius bestätigte im selben Jahr den Nikolaimönchen in Passau die Kirche in Münichreith.

Viele Jahrhunderte entsandte das Stift St. Nikola Ordensleute aus ihrem Stift als Seelsorger nach Münichreith und Neukirchen.

Am 21. März 1803 hat der bayrische Staat über das Stift St. Nikola der Säkularisation, dh., Auflösung vollzogen. Hier endet die langjährige, gemeinsame Geschichte zwischen dem Stift und dem Ort und der Pfarre Münichreith.

Die Filiale Neukirchen & das Patronat

1117 wurde die Wallfahrtskirche Neukirchen von Bischof Heinrich von Freising, einem Peilsteiner aus bayrischem Geschlecht, geweiht. Obwohl die Weihe um fast 30 Jahre vor der von Münichreith erfolgte, wurde sie eine Filialkirche von Münichreith. Im Zuge einer Kirchenreform wurde die Aufhebung von Eigenkirchen der Grundherren durchgesetzt. Es ist anzunehmen, dass das Stift St. Nikola damals eine bessere Position  hatte, als die Besitzer von Neukirchen – und somit wurde Neukirchen eine Filialkirche.

Unbestritten ist aber, dass Neukirchen, als Wallfahrtskirche um fast 550 Jahre älter ist, als Maria Taferl – und damals einen sehr hohen Stellenwert hatte. Neukirchen ist die älteste Wallfahrtskirche des Waldviertels. Um 1430 kamen so viele Wallfahrer nach Neukirchen, dass im Ort sogar drei Backstätten errichtet werden mussten – um die Wallfahrer mit Brot zu versorgen.

Nach Aufhebung der Eigenkirchen spielte das Patronat eine wichtige Rolle in den jeweiligen Pfarren. Das Patronat der Pfarre Münichreith war von der Gründung an mit dem Nikolaihof in Mautern eng verbunden. Nach der Säkularisation im Jahr 1803 ging der Nikolaihof an weltliche Besitzer über und mit ihr auch das Pfarrpatronat. Nach 1813 kaufte Freyherr Maximillian Friedrich das Landtafelgut Nikolaihof, 1836 wechselte der Besitz auf Joseph Edler von Remiz. Ab 1894 war die Familie Saas dessen Eigentümer. Das Patronat blieb noch bis 1966 am Nikolaihof Mautern, dann wurde es abgelöst. Seither ist die Pfarre vom St. Pöltner Bischof frei zu vergeben.

 

Pfarrkirche Münichreith – zum Hl. Nikolaus: ein kunstgeschichtliches Juwel im Waldviertel

Die Pfarrkirche Münichreith ist eine gotische Hallenkirche mit Westturm und einem steilen Langhausdach. Sie liegt leicht erhöht in der Ortsmitte und ist vom Friedhof umgeben.

Die Kirche wurde vermutlich unter Einbeziehung romanischer Bauteile aus dem 12. Jahrhundert, Anfang des 15. Jahrhunderts gotisch ausgebaut. Zu dem gotischen Teil gehören das Langhaus, der Chorraum, die Sakristei und der Turm. Die Anbauten auf der nördlichen Seite – Kapelle mit anschließendem Raum – erfolgten 1705 durch Pfarrer Rottenhäusler. Der zweijochige, leicht einspringende Chorraum hat ein Kreuzrippengewölbe mit zwei Schlusssteinen: einer Rosette ( 15. Jahrhundert) und einer Halbfigur des Hl. Nikolaus ( 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts).

 

Bemerkenswert ist die Einrichtung der Kirche:

Kreuz- und Taufkapelle:

Die Kreuzkapelle wurde 2012 zu einer Taufkapelle umgebaut und neu gestaltet. Mittelpunkt bildet über einem schlichten Barockaltar ein überlebensgroßes Kruzifix aus Holz, aus dem Jahre 1540 stammend. Ein einfacher, kelchförmiger Taufstein aus marmoriertem Holz, aus der Zeit um 1900 befindet sich an der linken Seite der Kapelle. Neu geschaffen wurde der Beichtstuhl auf der rechten Seite.

Bis zum Umbau befanden sich in der Kreuzkapelle die große, barocke Statue des Hl. Nikolaus (1749) und eine Herz-Marien-Statue und eine Herz-Jesu-Statue. Die Statue des Hl. Nikolaus findet nun in der Nische neben der Gruppe „Christus an der Geiselsäule“ einen würdigen Platz. Die beiden Herz-Marien und Herz-Jesu-Statuen befinden sich nun im Pfarrarchiv.

Armeseelenkapelle

Ein Anbau, welcher durch eine Tür vom Pfarrplatz zu erreichen ist. Sie weist ein Kuppelgewölbe über vier einfassende Mauerrundgurten auf.

Turm

Im Westen des Langhauses ist der viereckige, dreigeschossige Turm angebaut und weist mehrere Spitzbogenfenster auf. An der Nord- und Ostseite des Turmes wurde 1902 eine Turmuhr angebracht. Stefan Aigner, Uhrmacher aus St. Johann zu Engstetten, fertigte diese mit einem Stundenviertelschlagwerk und Ankergang an. Die Pfarrgemeinde hat damals durch Spenden einen Betrag von 1.241 Kronen gesammelt, welcher den Kostenaufwand der Uhr und der Arbeiten abdeckte. Kaiser Franz Josef I. spendete einen Betrag von 150 Kronen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf ein elektrisches Geläute umgestellt.

Glocken

Die Pfarrkirche Münichreith besitzt zwei der ältesten Glocken des Waldviertels. Dank ihres hohen Alters wurden sie für Kriegssammlungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg nicht herangezogen.

Die älteste Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert. Durchmesser: 61 cm, Gewicht: 130 kg, Höhe: 47 cm. Auf der Glocke stehen in gotischer Majuskelschrift die Namen der vier Evangelisten und des Kirchenpatrons: „Lucas – Marcus – Matheus – Johannes – Nicolaus“

Eine weitere Glocke stammt von 1505. Durchmesser: 92 cm, Gewicht: 450 kg. Inschrift in gotisierender Majuskelschrift: „O sancte Nicolae o sancte Leonarde orate pro nobis o Maria anno DNI 1505“. 

1917 mussten jedoch zwei Glocken von der Pfarrkirche Münichreith für Kriegszwecke abgeliefert werden. Am 17. Oktober 1955 konnten zwei neue Glocken aus Bronze von der Glockengießerei St. Florian um ca. ATS 23.500,00 angeschafft werden. Die Glockenweihe nahm Monsign. Dr. Josef Weichselbaum, aus Maria Taferl vor.   Zu erwähnen ist, dass Vorgänger-Glocken aus dem Jahre 1923 am 25. Februar 1942 für die Metallsammlung im Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden mussten.

Chor

Im Osten der Kirche befindet sich der Chor (Kirchenraum mit Hauptaltar). Dieser wird vom Hochaltar dominiert. Es handelt sich um einen barocken Hauptaltar aus Holz, marmoriert und mit einem einfachen, streng gegliederten, kannelierten Säulenaufbau und Pilastern (Wandpfeilern). Die Jahreszahl 1660 findet man an der Rückseite des Altars und zeigt sein Entstehungsjahr an.

Bemerkenswert ist das Altarbild. Größe: 115 x 200 cm, in Goldrahmen, zeigt den Hl. Nikolaus mit Engeln – zum Himmel aufblickend. Ein Engel hält ein Gefäß mit drei Äpfeln. Es ist ein Werk von Martin Johann Schmidt, besser bekannt unter dem Namen „Kremser Schmidt“.  Das Bild trägt die Initialen „M.J.S.f.A. 1796“. Es dürfte eines seiner letzten Werke gewesen sein, da er 1801 im 83. Lebensjahr verstarb. Im Aufsatz des Hochaltars ist ein Ausschnitt des „letzten Abendmahles“ angebracht.

Über den seitlichen Türen stehen die barocken Statuen des Hl. Antonius des Einsiedlers und des Hl. Florian, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

An der Nordseite des Chores führt ein gotisches Schlüssellochtor in die anschließende Sakristei. Diese hat ein einfaches Rippengewölbe. Von der Sakristei aus konnte man bis in die 1960er Jahre durch eine gotische Tür zur ehemaligen Kanzel gelangen.

Langhaus

Am Triumphbogen links befindet sich die große, volkstümliche Gruppe „Christus an der Geiselsäule“ – eine Darstellung mit ergreifenden Ausdruck – mit zwei Engeln, die die Geißeln in den Händen halten, angebracht, aus Anfang 17. Jahrhundert. Darunter stehen die kleinen Statuen der Hl. Sebastian und Hl. Rochus, beide aus dem 19. Jahrhundert.

Rechts des Triumphbogens ist eine große Figur der Maria Immaculata. Diese Statue aus Holz wurde 1901 hergestellt. Darunter befinden sich die Statuetten der Hl. Notburga von Rottenburg und Hl. Leonhard von Noblat. An der rechten Seitenschiffwand ist der Hl. Josef mit Kind, alle aus dem 19. Jahrhundert. Die Kreuzwegbilder stammen aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.

Im rückwärtigen Teil des linken Seitenschiffes ist ein gotisches Fenstermedaillon. Laut Inschrift wurde es 1978 von der Familie Klaus Geyling gestiftet.

Orgel

Die älteste Orgel in der Pfarrkirche Münichreith, über die Aufzeichnungen vorliegen, stammt aus dem Jahr 1698. Sie stammte von Johann Melchior Bindtner, einem Orgelbauer aus Persenbeug.

1790 hat Ignatz Gatto, Orgelmacher aus Krems eine Orgel, die aus Artstetten stammte und von der dortigen Herrschaft verkauft wurde, in der Kirche Münichreith aufgesetzt. Die Anschaffung erfolgte damals unter Pfarrer Kajetan Olivicciani.

Um 1864 wurde unter Pfarrer Jakob Gaugosch von Orgelbauer Max Zachistal aus Krems eine neue Orgel gebaut.

Etwa 50 Jahre später, im Jahr 1904 hat der niederösterreichische Landorgelbauer Max Jakob aus Ybbs eine neue Orgel, mit acht Registern um den Betrag von 1992 Kronen für die Kirche Münichreith hergestellt. Von dieser Orgel mussten am 28. Juni 1918 32 Orgelpfeifen aus Zinn mit einem Gewicht von 28 Kilo dem Staat für Kriegszwecke abgeliefert werden. Am 6. September 1919 hat dann Orgelbauer Capek aus Krems diese durch Zinkpfeifen mit Aluminiumbronze ersetzt.

2007 erhielt die Pfarrkirche Münichreith eine neue Orgel. Sie stammt von Orgelbaumeister Christoph  Allgäuer aus Würflach. Am 7. Oktober 2007 wurde die neue Orgel in einem festlichen Gottesdienst von Diözesanbischof DDr. Klaus Küng eingeweiht. Er zelebrierte mit Dechant Mag. Grülnberger und Ortspfarrer Mazurczak den Gottesdienst, der von einer Mozart-Orgelmesse umrahmt wurde.

 

Pfarrhof Münichreith

Der vermutlich seit 1310 in Münichreith bestehende Amtshof des Klosters St. Nikola ist identisch mit dem Pfarrhof Münichreith. Der 2-geschoßige mächtige Barockbau fällt durch seine schöne Fassadierung (gebändertes Erdgeschoss, Faschengliederung und schön gearbeitete Fensterkörbe im 2. Geschoß auf. Über dem Rundbogentor befindet sich in einer kleinen Nische ein kleines Gemälde des Hl. Nikolaus.

Nachdem der Pfarrhof am 22. Dezember 1700 abgebrannt war, wurden wertvolle Pfarrschriften, darunter auch das Pfarrgedenkbuch aus dem Jahr 1419, vernichtet. Die Schäden waren derart, dass der Pfarrhof zum Großteil neu errichtet wurde. Im Juni 1772 brannte infolge eines Blitzschlages  der Pfarrhof vollständig ab.

 

Ereignisse in der Pfarre Münichreith

Jahr

Ereignis

1073

In einem Brief des Bischof Altmann von Passau werden erstmals Kirche und Dorf Münichreith urkundlich genannt. Das Dorf trug die Bezeichnung          „ Swarzza“.

1076

Es ist wahrscheinlich, dass das Stift St. Nikola in unserer Gegend schon Missionstätigkeit ausübte.

1117

Die Kirche Neukirchen wird von Bischof Heinrich von Freising, gebaut und von ihm selbst geweiht.

1122

Graf Friedrich von Peilstein gibt seinem Bruder Heinrich von Freising, dem Gründer der Kirche Neukirchen, Gründe in Schwarza.

1136

Das „markgräfliche Gut Schwarza“ wird urkundlich genannt, als Markgraf Leopold den Mönchen in St. Nikola bestätigt, dass das „Prädium Schwarza“ in seinem Besitz steht.

1144

Am 6. Mai weiht Bischof Reginbert von Passau die von seinem Stift errichtete Kirche zu „Swarzza“ – die heutige Kirche Münichreith.

1220

Bischof Ulrich von Passau bestätigt dem Stift St. Nikola den Besitz der Kirche Schwarza.

1262

Die Gnadenstatue Marien ist in der Kirche Neukirchen aufgestellt worden.

1310

Der Amthof Münichreith wird genannt. Es dürfte damit der Pfarrhof Münichreith gemeint sein.

1378

Als erster Pfarrer wird Jans (Johannes) urkundlich erwähnt.

14. Jhdt.

Eine Glocke der Kirche Münichreith stammt aus dem 14. Jhdt.

1428

Pfarrer Ulrich Sagler von Münichreith nimmt eine Meßstiftung in Neukirchen entgegen.

1523

Die Pfarre Münichreith hatte einen Weingarten in Wösendorf.

1544

Pfarrer Blasius hatte einen Kooperator in der Filiale Neukirchen.

1622

Pfarrer Heinrich Schalmeier hatte einen Weingarten bei Artstetten.

1634

Pfarrer Ferdinand Prükhel stirbt an den Folgen der Pest.

1642

Pfarrer Röseler kauft von Herrn von Lindegg ein Häuschen am Pfarrhof für die Schule Münichreith.

1643

Die Pfarre Münichreith weist 780 katholische und 60 unkatholische Bewohner auf.

1660

Pfarrer Dietrich lässt den Hochaltar in der Kirche Münichreith herstellen.

1670

Pfarrer Dietrich hatte große Beschwerden wegen der wütenden Pest auszustehen.

1698

Orgelbauer Bindtner aus Persenbeug liefert eine Orgel.

1700

Am 22. Dezember brannte der Pfarrhof Münichreith mit vielen wertvollen Pfarrschriften ab.

1705

Pfarrer Rottenhäusler lässt an der Nordseite eine Kapelle anbauen.

1720

Das Steinerne Kreuz wird eingeweiht.

1772

Am 29. Juni brannte der Pfarrhof Münichreith infolge eines Blitzschlages ab.

1780

Die Pfarre Münichreith zählt mit Neukirchen 1.249 Einwohner.

1784

Die Pfarre Neukirchen wird zur selbständigen Pfarre erhoben.

1790

Unter Pfarrer Olivicciani wird eine neue Orgel angeschafft.

1796

Das Altarbild mit dem Hl. Nikolaus stammt vom Kremser Schmidt.

1803

Nach Aufhebung des Klosters St. Nikola übernimmt der Nikolaihof Mautern das Patronat über die Pfarre Münichreith.

1822

Münichreith hat im Pfarrbereich 159 Häuser.

1831

Pfarrer Beglowetz verkauft einen Weingarten in Spitz.

1850

Von 1850 stammen zwei Glocken, die 1917 im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden müssen.

1864

Unter Pfarrer Gaugosch wird eine neue Orgel aufgestellt.

1871

Der Mesnerdienst wird nicht mehr durch den Schulmeister mit betreut.

1901

Die Statue „Maria Immaculata“ wurde in der Kirche Münichreith aufgestellt.

1902

An der Kirche wurden größere Renovierungsarbeiten durchgeführt.

1902

Für die Turmuhr wurde eine Sammlung durchgeführt.

1904

Eine neue Orgel wurde angeschafft.

1904

Pfarrer Josef Sprinzl wurde zum Ehrenbürger ernannt.

1914

Pfarrer Ferdinand Kroissmayr segnet die neue Feuerspritze.

1915

Die Weihnachtskrippe wird aus der Schatzkammer Maria Taferl angekauft.

1915

Die Herz-Jesu und Herz-Marien-Statue wird durch Pfarrer Ferdinand Kroissmayr gesegnet.

1917

Zwei Glocken müssen bei der Kriegsmittelsammlung abgeliefert werden.

1918

Ein Orkan beschädigt den Dachstuhl am Pfarrhof Münichreith.

1921

Das Urlauberkreuz wird von Pfarrer Kroissmayr eingeweiht.

1923

Zwei neue Glocken werden von Pfarrer Kroissmayr geweiht.

1942

Zwei Glocken müssen für die Metallsammlung abgeliefert werden.

1949

Der Pfarrhof Münichreith wird elektrifiziert.

1955

Anschaffung von zwei neuen Glocken.

1957

Unter Pfarrer Dangl erfolgt die Renovierung der Kirche.

1958

Pfarrer Dangl wird zum Ehrenbürger ernannt.

1966

Das Pfarrpatronat wird abgelöst. Ab diesem Jahr ist die Pfarre Münichreith durch den St. Pöltner Bischof frei zu vergeben.

1974

Mithilfe der Landjugend wurde der Glockenturm in Kollnitz neu errichtet. Pfarrer Felsner weihte die Glocke.

1977

Josef Zemliczka feierte in der Kirche Münichreith die hl. Primiz.

1978

Familie Geyling stiftet ein gotisches Fenstermedaillon.

1979

Die neu errichtete Aufbahrungshalle wird durch Pfarrer Felsner gesegnet.

1981

Das Wegkreuz in der Waldgasse wird durch Pfarrer Felsner gesegnet.

1985

Große Außenrenovierung der Pfarrkirche Münichreith.

1989

Pfarrer Karl Felsner wird die Ehrenbürgerschaft verliehen.

1991

Der Altar der Kirche wird renoviert.

1991

Pfarrer Zbigniew Mazurczak übernimmt die Pfarre Münichreith.

1992

Innenrenovierung des Pfarrhofes.

1993

Renovierung der Außenfassade des Pfarrhofes.

1994

Der Kirchenplatz wird neu gestaltet. Ein neues Kriegerdenkmal wurde aufgestellt. Die Friedhofsmauer wird teilweise erneuert.

1994

Weihbischof Dr. Heinrich Fasching spendet in Münichreith die Firmung.

1994

850-Jahr Jubiläum der Pfarre Münichreith. Weihbischof Dr. Heinrich Fasching zelebriert einen Festgottesdienst.

1994

Dechant Schaupp hat am 11. September Zbigniew Mazurczak offiziell als Pfarrer von Münichreith installiert.

1996

Am 16. Februar ist Pfarrer Karl Felsner in Wien gestorben.

1997

Innenrenovierung unter Pfarrer Mazurczak.

2005

Pfarrer Mazurczak hält eine Bergmesse am Peilstein. 60 Jahre Frieden, 50 Jahre Staatsvertrag, 50 Jahre Peilsteinkreuz standen im Zeichen dieser Jubiläumsmesse.

2007

Die neue Orgel wird durch Diözesanbischof DDr. Küng geweiht.

2009

Bischof Dr. Edward Dajczak von der Diözese Koszalińsko-Kołobrzeskiej/Polen hat in Münichreith die Firmung gespendet.

2011

Die umfangreiche Außenrenovierung der Kirche wurde abgeschlossen.

2012

Pfarrer Zbigniew Mazurczak wurde die Ehrenbürgerschaft verliehen.

 

Pfarrer in Münichreith

Pfarrer

Von

Bis

Jans (en)

um 1378/79

 

Sagler Ulrich

um 1428

 

Geplutz Georg

um 1433

oder 1488

Kolomann

um 1469

 

Blasius

um 1544

 

Unterndorfer Peter

um 1560

 

Plamauer Erhard

um 1560

 

Krabbler Wolfgang

1579

1584

Puechreitter Georg

um 1590

 

Agricola Johann

um 1596

 

Rösch Georg

vor 1607

 

Vögelius Johann, Dr.

um 1610

 

Schalmeyer Heinrich

um 1615

 

Nest Heinrich

1623

 

Lindner Martin Andreas

ab 1623

 

Neumüller Tobias

um 1630

 

Schrötter Augustin

1632

 

Prükhel Ferdinand

1632

1634

Funkh Melchior

bis 1636

 

Röss(e)ler Johann Secundus

bis 1643

 

Geiger Martin

bis 1646

 

Dietrich Georg

1646

1681

Voggendanz Adam

1681

1685

Kirchhueber Laurenz

1685

1700

Flock Gottfried Balthasar

1700

1704

Heinersberger Florian

1704

1705

Rottenhäusler Johann Agapius

1705

1723

Klinger Josef Tobias, von Klingerau

1723

1727

Piesinger Bernhard

um 1725

 

Lattermann Pantaleon

1727

1731

Schopper Johann B.

1731

1744

Spiesberger Severin A.

1744

1748

Heilingeder Felix

1748

1759

Kapser Herkulan

1759

1766

Mayr Ambros ( Kooperator )

um 1760

 

Fröhlich Johann Jakob

1766

1771

Olivicciani Kajetan

1771

1794

Zendl Tobias ( Kooperator )

bis 1784

 

Redinger Theobald

1794

1797

Nicolai Herkulan

1797

1802

Beglowetz Wilhelm

1802

1822

Grossschopf Joseph

1822

 

Beglowetz Jakob

1822

1832

Wiesinger Franz

1832

1850

Gaugosch Jakob

1850

1878

Sprinzl Josef

1879

1911

Samida Wilhelm ( Pfarrprovisor )

1911

 

Kroissmayr Ferdinand

1911

1932

Naderer Ignaz ( Pfarrprovisor )

1932

1933

Dangl Ferdinand

1933

1963

Kogler Franz ( Pfarrprovisor )

1963

1964

Felsner Karl

1964

1991

Mazurczak Zbigniew

1991

 

 Zusammenfassung: Herbert Schauer, Juli 2012